Eurosolvent  Glossar

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Basel II

Die neue Basel II-Vereinbarung regelt die Eigenkapitalbe-stimmungen für Kreditinstitute neu. Damit soll die Kreditvergabe künftig risikogerechter vonstatten gehen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Richtlinien zur Eigenkapitalunterlegung der Banken bei Krediten an Unternehmen. Bislang hinterlegten Kreditinstitute zur Absicherung pauschal 8 Prozent der verliehenen Kreditsumme. Im Rahmen von Basel II wird die Eigenkapitalhinterlegung nun nach den individuellen Kreditrisiken der Kreditinstitute gestaffelt. Somit kann dieser Prozentsatz künftig zwischen 1,6 und 12 Prozent variieren – abhängig von der Bonität des Kredit nehmenden Unternehmens. Dessen Bonität bestimmt damit über die Kreditkonditionen: Unternehmen mit schlechter Bonität zahlen entsprechend höhere Zinsen für ihren Kredit – das Institut muss zur Risikoabsicherung einen größeren Teil seines Eigenkapitals hinterlegen. Vor allem für mittlere Unternehmen ergibt sich daraus die (bisher nicht vorhandene) Notwendigkeit zu Bonitätsanalysen (› Ratings) durch unabhängige Ratingunternehmen oder durch bankinterne Ratings. Solche Ratings waren bislang nur für große Unternehmen wichtig, die Unternehmensanleihen am Wertpapiermarkt emittierten.
Die steigende Wettbewerbsintensität in den Finanzmärkten – ausgelöst durch Liberalisierung und Globalisierung – verändert die Risikostrukturen. Dem trägt Basel II Rechnung. Durch die neuen Entscheidungen im Rahmen der Vereinbarung könnten allerdings Kredite bis zu 1 Million Euro für alle Unternehmen günstiger werden, weil die Banken diese Kredite wie Privatkundenkredite behandeln dürfen und dafür weniger Eigenkapital zurücklegen müssen (statt wie bisher 8 Prozent künftig nur noch 6 Prozent des Kreditvolumens). Kleine Unternehmen mit weniger als 50 Millionen Euro Jahresumsatz dürfen von Banken außerdem als weniger risikoreich eingestuft werden, als es ihrem eigentlichen Rating entspricht. Für diese Unternehmen brauchen sie dann lediglich Eigenkapital in einer ähnlichen Größenordnung wie bislang zurückzuhalten, sodass die Kreditkonditionen für solche Unternehmen nicht unbedingt teurer werden. Und für mittlere Unternehmen mit einer Bilanzsumme bzw. einem Jahresumsatz von weniger als 500 Millionen Euro entfällt zukünftig der Zuschlag auf langfristige Kredite.

Bonität

Die Bonität eines Unternehmens oder einer Privatperson bestimmt über dessen Kreditwürdigkeit. Gläubiger sind darauf angewiesen, dass ein Schuldner seinen Schuldendienstverpflichtungen (Zinszahlung und Tilgung der aufgenommenen Gelder) nachkommen kann. Die Bonität misst die Fähigkeit, diesen Verpflichtungen gegenwärtig und zukünftig nachzukommen: Die vorhandene Substanz spielt dabei ebenso eine Rolle wie die zu erwartende künftige Finanzkraft.

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