Eurosolvent  Glossar

Trotz größter Sorgfalt bei der Erstellung des Inkasso Glossars kann eine wie auch immer geartete Gewähr oder Haftung nicht übernommen werden

Inkasso

Der Begriff Inkasso geht zurück auf das lateinische incassare und bedeutet: Geld einziehen. Gemäß Artikel 1 Abs. 1 Satz 1 Rechtsberatungsgesetz (RberG) ist Inkasso die „Einziehung fremder oder zu Einziehungszwecken abgetretener Forderungen“, die „geschäftsmäßig … betrieben“ wird.

Inkassovollmacht

Während der Gläubiger beim Forderungsverkauf seine Forderung vollständig abtritt, bleibt er beim treuhänderischen Inkasso (› Treuhandinkasso) Eigentümer der Forderung. Das Inkassounternehmen wird durch eine Inkassovollmacht damit beauftragt, im Rahmen des Inkassovertrages alle Beitreibungsmaßnahmen einzuleiten, die bis zur restlosen Bezahlung der Forderung durch den Schuldner erforderlich sind. Das Inkassounternehmen wird zudem bevollmächtigt, im Rahmen der Inkassovereinbarung alle im Zusammenhang mit der Forderung zu treffenden Absprachen, Vereinbarungen usw. im Namen des Gläubigers durchzuführen und Geldbeträge mit schuldbefreiender Wirkung entgegenzunehmen. Darüber hinaus kann es im Namen des Gläubigers Rechtsanwälte beauftragen, die gerichtlichen und behördlichen Verfahren zu betreiben, die aus Inkassoaufträgen erwachsen. Sie sind berechtigt, den informierenden Schriftwechsel mit diesen Rechtsanwälten zu führen und ihnen Untervollmachten zu erteilen – beispielsweise zum Geldempfang für den Gläubiger.

Insolvenz

Insolvenz bedeutet Zahlungsunfähigkeit. Nach in der Rechtsprechung vertretener Meinung liegt diese im Sinne der › Insolvenzordnung vor, wenn der Schuldner Verpflichtungen gegenüber mehr als einem Gläubiger hat und diese für mindestens zwei Monate bestehen.

Insolvenzordnung (InsO)

Die Insolvenzordnung ist seit 01.01.1999 in Kraft und ersetzt die ehemaligen Regelungen zum Konkurs. Bereits nach knapp zwei Jahren wurde die Insolvenzordnung reformiert (01.12.2001).
Die InsO regelt sowohl Firmeninsolvenzen (› Regel­insolvenzverfahren) als auch Insolvenzen von Privatpersonen (› Verbraucherinsolvenzverfahren).
Als Insolvenzgründe gelten laut der InsO:

  • § 17 Zahlungsunfähigkeit
    Ein Schuldner gilt als zahlungsunfähig, wenn er seine fälligen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen kann. Das ist anzunehmen, sobald er seine Zahlungen eingestellt hat.
  • § 18 Drohende Zahlungsunfähigkeit
    Sie ist bereits gegeben, wenn der Schuldner voraussichtlich nicht in der Lage sein wird, seinen Zahlungsverpflichtungen fristgerecht nachzukommen. Hier gibt es allerdings erheblichen Ermessensspielraum.
  • § 19 Überschuldung
    Sie liegt vor, wenn das gesamte Vermögen des Schuldners die bestehenden Verbindlichkeiten nicht mehr deckt.

Insolvenzverfahren

Ein Insolvenzverfahren wird eingeleitet, wenn ein Unternehmen oder eine Privatperson zahlungsunfähig ist. Wann das der Fall ist, regelt die  Insolvenzordnung. Ziel des Verfahrens: Unter gerichtlicher Aufsicht soll das verbliebene (Sach-)Vermögen gleichmäßig unter allen Gläubigern aufgeteilt werden. Kommt es zum Verfahren, ernennt das Gericht einen Insolvenzverwalter bzw. einen Treuhänder (› Verbraucherinsolvenzverfahren)

Regelinsolvenzverfahren
Die Regelinsolvenz betrifft Kapitalgesellschaften. Droht einem Unternehmen die Zahlungsunfähigkeit (siehe Insolvenzgründe  Insolvenzordnung), ist ein rechtzeitiger Versuch der außergerichtlichen Einigung angezeigt. Im Einigungsfall verzichten die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen. Schlägt die außergerichtliche Einigung fehl, können Schuldner oder Gläubiger das Insolvenzverfahren beantragen. Der Schuldner kann dies bereits, bevor das Unternehmen endgültig zahlungsunfähig ist, um die vollständige Insolvenz abzuwenden. Ein Unternehmer, der trotz anhaltender Zahlungsunfähigkeit keinen Insolvenzantrag stellt, macht sich strafbar. Das Verfahren ist zunächst vorläufig eröffnet. Ein vom Gericht eingesetzter Insolvenzverwalter überprüft die verbliebenen Unternehmenswerte. Ist noch genügend Verteilungsmasse vorhanden, wird das Verfahren endgültig eröffnet.
Verbraucherinsolvenzverfahren
Die Verbraucherinsolvenz betrifft in erster Linie Privatpersonen, aber auch Kleingewerbetreibende und Freiberufler. Der Schuldner ist verpflichtet, zunächst im Rahmen der außergerichtlichen Schuldenregulierung nach einer außergerichtlichen Einigung mit den Gläubigern zu suchen (Ratenzahlung, Stundung, Teilerlass, etc.). Hierzu wird die Unterstützung einer Schuldner-Beratungsstelle oder eines Rechtsanwaltes empfohlen. Ist dies nicht erfolgreich, beginnt das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren, das in zwei Stufen abläuft. Zunächst versucht das Gericht nochmals, eine gütliche Einigung zwischen Gläubigern und Schuldner zu erzielen. Gelingt dies nicht, erfolgt die Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

Wird über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens positiv entschieden, folgt die Durchführung des „vereinfachten Insolvenzverfahrens“. Das Gericht bestellt einen Treuhänder, der das Verfahren weiterhin begleitet.

Nach Abschluss des Insolvenzverfahrens schließt sich die › Wohlverhaltensperiode an: Nach der sechsjährigen so genannten Wohlverhaltensperiode können dem Schuldner sämtliche Restschulden erlassen werden. Vor Ausschüttung der Quote an die Gläubiger sind zunächst die Verfahrenskosten zu begleichen.
Ziel der Verbraucherinsolvenz ist es, privaten Schuldnern den schuldenfreien Neustart zu ermöglichen. Sie sollen so schnell wie möglich wieder am regulären Wirtschaftsleben teilnehmen und als kaufkräftige Konsumenten die Volkswirtschaft unterstützen.

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